Diplomarbeit der Uni Bonn
8 Jahre ist es her
(Diplomarbeiten der Uni Bonn)
und wenn Sie glauben, dass die verantwortlichen
Planer 2 und 2 zusammen zählen können, dann sieht es sehr düster aus!
Das CentrO kostete laut Prisma ca. 2 Milliarden DM, wovon ca. 1 Milliarde DM an Steuergeldern geflossen sind.
Der Gladbecker Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer hat also indirekt über seine gezahlten "Steuern" die Konkurrenz
und den Leerstand mitfinanziert.
Münster, 25. Februar 2000
Diplomarbeiten der Uni Bonn untersuchen Auswirkungen
Gelsenkirchen. 10 Prozent Umsatzminus in den Cities von Bottrop und Oberhausen brachte das CentrO für die Mittelzentren. Zwei Diplomarbeiten der Uni Bonn förderten zu Tage, was die Skeptiker des Shopping-Centers bereits 1996 prophezeiten. Karl-F. Schulte-Uebbing, Leitender Geschäftsführer der Vestischen Gruppe der IHK in Gelsenkirchen: " Die prognostizierten Umsatzeinbußen sind damit bis zu 400 Prozent höher betroffen als 1992 vorhergesagt." Damals ermittelte das GfK-Gutachten für die Oberhausener Innenstadt einen voraussichtlichen Umsatzrückgang von - 4,3 Prozent; für die Bottroper Innenstadt wurden lediglich - 2,5 Prozent vorausgeschätzt. Schulte-Uebbing: "Dabei sind diese Daten bereits um konjunkturelle Einflüsse bereinigt." Denn die Diplomarbeiten förderten einen Umsatzrückgang bis zu - 27 Prozent im
Zeitraum von 1992 - 1999 zu Tage, allerdings hat sich der Umsatz im Handel konjunkturbedingt um rund - 14 Prozent vermindert !?. So sind sich die Experten sicher, dass die darüber hinausgehenden Umsatzverluste auf das CentrO zurückzuführen sind. Das bedeutet in konkreten Beträgen: Durch das CentrO haben allein Bottrop-Innenstadt rd. 46 Mio. DM und Oberhausen-Innenstadt ca. 50 Mio. DM Umsatz verloren.
Auch die weiteren Folgen sind in den Diplomarbeiten untersucht. Während in der Oberhausener City mehr Discountmärkte festzustellen sind, gleichzeitig aber weniger Werbung betrieben und auch weniger Personal in den Läden beschäftigt ist, zeigt sich das Bild in Bottrop ein wenig unterschiedlicher. Die Filialen verminderten ihr Personal, der Facheinzelhandel baute es ein Stück aus. Und: Der Bottroper Handel ist durch den Angriff des CentrO's enger zusammengerückt.
Insgesamt haben sich für die Stadt Oberhausen allerdings auch positive Aspekte ergeben. Die Diplomarbeiten zeigen auf, dass die mit öffentlichen Landesmitteln finanzierte zusätzliche Verkehrsinfrastruktur und das CentrO allgemein das Image Oberhausens positiv verändert haben.
Diese Zuwächse wie aber auch die insgesamt ca. 1 Mrd. DM zusätzliche Kaufkraft, die durch CentrO akquiriert werden, haben das CentrO-Virus auf andere Städte überspringen lassen. Nach IHK-Angaben werden rund 750 000 m² zusätzliche Fläche in Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg geplant, das sind rund 11 CentrOs oder die gesamte Fläche des Einzelhandels des Kreises Recklinghausen. "Aus den Untersuchungen ist belegt, dass diese gigantischen Kaufhallen Kunden aus den Mittelzentren abziehen. Die Folgen sind
Schließung von Einzelhandelsgeschäften,
Wegfall von Arbeits- und Ausbildungsplätzen und die Verödung
von Städten," so Karl-F. Schulte-Uebbing. "Hier muss entgegengewirkt werden. Die Instrumente des Planungsrechts und des vorgegebe-nen Einzelhandelserlasses sind stringent anzuwenden", fordert Schulte-Uebbing. "Da verwundert es, wenn die Stadt Oberhausen gegenüber neuen Projekten in ihren Nachbarstädten plötzlich Bedenken erhebt, gleichzeitig aber sich über verbindlich getroffene Absprachen hinwegsetzt und weitere 25 Prozent der Fläche an das CentrO zusätzlich andocken will."
Die Vestische Gruppe der IHK in Gelsenkirchen ist um Lösungsansätze bemüht. "Mit Flächenaufrüstung kommen wir nicht weiter. Wir brauchen ein angemessenes Angebot in den Oberzentren, das den Mittelzentren mehr als eine Überlebenschance einräumt. Dazu könnte ein Einzelhandelskonzept für das zentrale Ruhrgebiet gemeinsam mit Essen und Bochum und dem Emscher-Lippe-Raum führen, das in seiner Verbindlichkeit von allen beschlossen wird. Gleichzeitig muss sich aber auch der Handel im Emscher-Lippe-Raum konzentrieren, seine Position auszubauen, indem er sowohl Attraktivität des Sortiments als auch der Dienstleistung weiter stärkt. Die Menschen müssen Spaß haben, in den gewachsenen attraktiven Städten einzukaufen, statt in künstliche Giga-welten zu fahren."
Die Verfasserinnen der Diplomarbeiten Sonja Liesche und Nicole Schneider, die auf Initiative der Vestischen Gruppe der IHK in Gelsenkirchen gemeinsam mit dem Einzelhandelsverband Ruhr-Lippe e. V. und der IGA-Interessengemeinschaft Augenoptik eG von Prof. Dr. Klaus-Achim Boesler, Institut für Wirtschaftsgeographie der Universität Bonn, betreut wurden, erhalten am Samstag, 26.02.2000, den IGA OPTIC-Forschungspreis.
Pressekontakt: Industrie- und Handelskammer zu Münster, 0209/388-209 Frau Kraus-Buten

